Am Samstag, dem 27. September bin ich nach 166 Tagen in Ladakh in Frankfurt angekommen.

Obwohl es mir schien, als wäre diese Zeit vorbeigegangen wie nichts, habe ich natürlich doch einiges erlebt, erfahren und gelernt, was ich hier kurz zusammenfassen will.

Also zunächst: Was habe ich erlebt? Die Antwort lautet erstmal: So einiges, ich habe so gut wie alles mitgenommen, glaube ich. Ich habe natürlich auf dem Campus viel mitgeholfen. Es hat richtig Freude bereitet, den Schülern dabei zuzusehen, wie sie auf der einen Seite immer besser in Englisch wurden, sich aber auch persönlich extrem weiterentwickelt haben. So wurden auch die schüchteren unter den Schülern immer offener auch uns Freiwilligen gegenüber und im Rückblick hat man das Gefühl, dass der Campus die ganze Zeit von Lachen und Singen erfüllt war. Neben den Conversation Classes habe ich natürlich den Photoworkshop gemacht, aber auch Zeichenworkshops sowie einen Workshop über Critical Thinking gegeben, der Campuszeitschrift ein professionelles Format verpasst und die Schüler in die Software eingeführt, aber auch viel mit ihnen geredet, am Ende auch ein bisschen auf Ladakhi, und ihnen meine Begeisterung für Ladakh gezeigt und ihre Fortschrittskonzepte diskutiert. Auf dem Campus habe ich ausserdem an einem Earth Construction Workshop teilgenommen und mich für die traditionellem Erdbautechniken faszinieren lassen und auch tatsächlich an einem Gebäude auf dem Campus mitgebaut.
Darüber hinaus bin ich ja aber auch viel gereist. Ich habe verschiedenste Trekkingtouren gemacht, Mountainbiking, Kayaking, Rafting und natürlich viele Bilder gemacht, habe abgelegene Dörfer besucht und für meine Ladakhische Familie die fermentierte Gerste aus dem Chang (das lokale Bier) gesiebt, der danach bei einem Fest serviert wurde, auf dem man sich hundert Jahre in der Zeit zurückversetzt gefühlt hat, ich bin mit dem Motorrad zu Nomaden auf 4600 Metern Höhe gefahren, bei minus fünf Grad in ihren Zelten geschlafen, mit den glücklichsten Kindern der Welt gespielt und den Geruch von Ziegen lieben gelernt. Ich bin von an einem Tag von 3500 auf 6100 Meter aufgestiegen und stand mit Kopfschmerzen, Brechreiz und einer enormen Benommenheit auf in einer Höhe, die man nirgendwo in Europa erklimmen kann. Ich habe Yaks getrieben und verscheucht, von denen manche schon gerannt sind, wenn man nur nach einem Stein gegriffen hat, andere aber nur träge davongelaufen sind, selbst wenn man den Stein geworfen hat. Ich habe es genossen, kilometerweit mit Ziegen zu laufen, wurde immer wieder in verschiedenste Häuser und auch Zelte eingeladen und habe viel Buttertee getrunken und gelernt wie man ihn mit Nampe, dem gerösteten Gerstenmehl, zu einem Brei mischt. Ich habe auf einem Pferd gesessen und Bogen geschossen, bin geklettert, habe Ladakhi gelernt und Englisch gelehrt und viele Menschen getroffen, die auch ohne viel zu haben und gerade ohne viel zu wollen sehr glücklich waren.

Das Einzige, was ich nach dieser einzigartigen Erfahrung bereue, ist überhaupt nach Ladakh geflogen zu sein. Dabei liegt die Betonung natürlich nicht auf dem Ladakh, sondern auf dem ‚geflogen‘. Ladakh ist nämlich komplett von seinen Gletschern abhängig. Mit nur 80mm Regen im Jahr und sandigen Böden können sich die Ladakhis nur ernähren, indem sie das Gletscherwasser geschickt zu ihren Feldern leiten oder ihre Tiere in den von Tälern unterhalb von Gletschern grasen lassen. Wenn der Klimawandel, zu dem der Flugverkehr ja einen gewissen Beitrag leistet, weiter fortschreitet wird das vermutlich auch in Ladakh zu dem Rückgang bis Verschwinden der Gletscher und zu Unregelmäßigkeiten im Niederschlag führen. So wird dieses Stück Land, dessen Bewohner sich an die harschen Vorraussetzungen bestens angepasst haben, wohl über die Zeit zu einer anderen unbewohnbaren Wüste werden und die Menschen werden auswandern müssen und ihre eindrucksvolle Kultur gegen ein anonymes Stadtleben austauschen.

Wenn wir nichts ändern.

 

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One Response to Back Home

  1. stanzin norboo shara sagt:

    nice bro …….. but I did not find all the photos..

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